published: 07.11.01 10:08
 
Motor startet künftig per Knopfdruck
Neue Technik löst den Anlasser ab

Startergenerator Schweinfurt (rpo). Schlüssel rein, hoffentlich springt der Motor auch an - wer hat sich da nicht auch schon über wimmernde Geräusche gewundert. Künftig startet der Motor aber nicht mehr per Anlasser, sondern etwa per Knopfdruck.

Dann genügt ein Tritt aufs Gaspedal oder ein Knopfdruck, und der Motor tritt ohne weitere hörbare Vorarbeit und ohne Gestottere den Dienst an. Hinter dieser Zeitenwende in Sachen Autostart steckt eine Technik, die den wenig glamourösen Namen Kurbelwellen-Startergenerator trägt - ein ungewohnter Begriff, der jedoch bald schon selbstverständlich sein dürfte.

Der leisere Start ist jedoch nur ein Effekt der neuen Generatoren. In erster Linie dienen sie dazu, eine Reihe von Anforderungen an das Auto von Morgen erfüllen zu helfen. Die reichen von niedrigeren Schadstoffwerten über geringeren Verbrauch bis hin zum stärkeren elektrischen Bordnetz, das künftig mit 42 Volt die immer größere Zahl elektrischer Helfer bedienen wird.

Im Grunde handelt es sich bei dem neuen Prinzip laut Bosch-Experte Beda-Helmut Bolzenius in Stuttgart um eine elektrische Maschine im Antriebsstrang, die den Verbrennungsmotor startet und unterstützt sowie die erforderliche elektrische Leistung für das Bordnetz erzeugt. "Dieses Aggregat ersetzt den heutigen Starter und die Lichtmaschine", so Bolzenius.

Die Vorteile, die sich die Techniker vom Startergenerator versprechen, sind vielfältig. So geht Continental in Hannover bei der firmeneigenen Variante ISAD (Integrierter Starter Alternator Dämpfer) davon aus, dass schon das neue Startverhalten den Schadstoffausstoß reduziert. Außerdem lassen sich mit der integrierten Start/Stopp-Funktion fünf Prozent an Kraftstoff sparen: Der Motor schaltet zum Beispiel bei Wartezeiten an der Ampel ab und nimmt mit dem ersten Tritt aufs Gaspedal mit kaum merklicher Verzögerung die Arbeit wieder auf.

Generator unterstützt Motor

Mehr noch - auch die sonst vergeudete Bremsenergie kann umgewandelt und genutzt werden, das erhöht die Einsparung noch einmal. Und beim Beschleunigen kann der Generator mit seiner eigenen elektrischen Leistung den Motor unterstützen: Es könnte also ein kleinerer und sparsamerer Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen, der mit dem Generator die gleiche Leistung wie ein größeres Aggregat bietet.

Bis es zum Wechsel der Techniken kommt, werden noch ein paar Jahre vergehen. Denn der Einbau eines solchen Generators zwischen Motor und Getriebe muss den Experten zufolge schon bei der Grundplanung eines neuen Auto-Modells berücksichtigt werden. Schließlich führen die Generatoren dazu, dass die ganze Einheit ein paar Zentimeter länger wird.

Trotzdem: "Bis 2005 erwarten wir den Durchbruch des Startergenerators als Energiequelle im Kraftfahrzeug", sagt Bosch-Sprecher Stephan Kraus in Stuttgart. Grund dafür sei gerade der bis dahin stark wachsende Bedarf an elektrischer Leistung, der dann nicht mehr mit herkömmlichen Mitteln gedeckt werden könne.

Erste Fahrzeuge aus den USA

Bei Mannesmann-Sachs in Schweinfurt geht man von einem in den kommenden Jahren rapide steigenden Anteil der 42-Volt-Technik und damit auch des Startergenerators aus. Laut Sprecher Norbert Giesen gibt es Studien, die bereits im Jahr 2006 von einer Produktion von drei Millionen Autos mit 42 Volt Technik ausgehen. "65 Prozent davon werden wohl mit einem Startergenerator ausgerüstet sein", so Giesen. Im Jahr 2010 soll die Zahl der 42-Volt-Mobile bei jährlich 13 Millionen Wagen liegen.

Fest steht, dass die ersten Fahrzeuge mit dem neuartigen Anlasser-Lichtmaschinen-Ersatz wohl in den USA vom Band laufen werden. So meldete Continental jüngst, dass vom Modelljahr 2004 an die Modelle Chevrolet Silverado und MC Sierra wahlweise mit dem ISAD-System zu haben sein werden.

Ansonsten herrscht in der Branche die übliche Heimlichtuerei in Hinblick auf konkrete Modell-Angaben. "Wir führen Gespräche mit allen führenden Herstellern", sagt Norbert Giesen nur. Etwas genauer geht es dann aber doch noch: Laut Giesen werden auch auf dem deutschen Markt 2004 die ersten entsprechend ausgerüsteten Autos zu haben sein.