Motor startet
künftig per Knopfdruck
Neue Technik löst den Anlasser ab
Schweinfurt
(rpo). Schlüssel rein, hoffentlich springt der
Motor auch an - wer hat sich da nicht auch schon
über wimmernde Geräusche gewundert. Künftig
startet der Motor aber nicht mehr per Anlasser,
sondern etwa per Knopfdruck.
Dann genügt ein Tritt aufs Gaspedal oder ein
Knopfdruck, und der Motor tritt ohne weitere
hörbare Vorarbeit und ohne Gestottere den Dienst
an. Hinter dieser Zeitenwende in Sachen Autostart
steckt eine Technik, die den wenig glamourösen
Namen Kurbelwellen-Startergenerator trägt - ein
ungewohnter Begriff, der jedoch bald schon
selbstverständlich sein dürfte.
Der leisere Start ist jedoch nur ein Effekt
der neuen Generatoren. In erster Linie dienen sie
dazu, eine Reihe von Anforderungen an das Auto
von Morgen erfüllen zu helfen. Die reichen von
niedrigeren Schadstoffwerten über geringeren
Verbrauch bis hin zum stärkeren elektrischen
Bordnetz, das künftig mit 42 Volt die immer
größere Zahl elektrischer Helfer bedienen wird.
Im Grunde handelt es sich bei dem neuen
Prinzip laut Bosch-Experte Beda-Helmut Bolzenius
in Stuttgart um eine elektrische Maschine im
Antriebsstrang, die den Verbrennungsmotor startet
und unterstützt sowie die erforderliche
elektrische Leistung für das Bordnetz erzeugt.
"Dieses Aggregat ersetzt den heutigen
Starter und die Lichtmaschine", so
Bolzenius.
Die Vorteile, die sich die Techniker vom
Startergenerator versprechen, sind vielfältig.
So geht Continental in Hannover bei der
firmeneigenen Variante ISAD (Integrierter Starter
Alternator Dämpfer) davon aus, dass schon das
neue Startverhalten den Schadstoffausstoß
reduziert. Außerdem lassen sich mit der
integrierten Start/Stopp-Funktion fünf Prozent
an Kraftstoff sparen: Der Motor schaltet zum
Beispiel bei Wartezeiten an der Ampel ab und
nimmt mit dem ersten Tritt aufs Gaspedal mit kaum
merklicher Verzögerung die Arbeit wieder auf.
Generator unterstützt Motor
Mehr noch - auch die sonst vergeudete
Bremsenergie kann umgewandelt und genutzt werden,
das erhöht die Einsparung noch einmal. Und beim
Beschleunigen kann der Generator mit seiner
eigenen elektrischen Leistung den Motor
unterstützen: Es könnte also ein kleinerer und
sparsamerer Verbrennungsmotor zum Einsatz kommen,
der mit dem Generator die gleiche Leistung wie
ein größeres Aggregat bietet.
Bis es zum Wechsel der Techniken kommt, werden
noch ein paar Jahre vergehen. Denn der Einbau
eines solchen Generators zwischen Motor und
Getriebe muss den Experten zufolge schon bei der
Grundplanung eines neuen Auto-Modells
berücksichtigt werden. Schließlich führen die
Generatoren dazu, dass die ganze Einheit ein paar
Zentimeter länger wird.
Trotzdem: "Bis 2005 erwarten wir den
Durchbruch des Startergenerators als
Energiequelle im Kraftfahrzeug", sagt
Bosch-Sprecher Stephan Kraus in Stuttgart. Grund
dafür sei gerade der bis dahin stark wachsende
Bedarf an elektrischer Leistung, der dann nicht
mehr mit herkömmlichen Mitteln gedeckt werden
könne.
Erste Fahrzeuge aus den USA
Bei Mannesmann-Sachs in Schweinfurt geht man
von einem in den kommenden Jahren rapide
steigenden Anteil der 42-Volt-Technik und damit
auch des Startergenerators aus. Laut Sprecher
Norbert Giesen gibt es Studien, die bereits im
Jahr 2006 von einer Produktion von drei Millionen
Autos mit 42 Volt Technik ausgehen. "65
Prozent davon werden wohl mit einem
Startergenerator ausgerüstet sein", so
Giesen. Im Jahr 2010 soll die Zahl der
42-Volt-Mobile bei jährlich 13 Millionen Wagen
liegen.
Fest steht, dass die ersten Fahrzeuge mit dem
neuartigen Anlasser-Lichtmaschinen-Ersatz wohl in
den USA vom Band laufen werden. So meldete
Continental jüngst, dass vom Modelljahr 2004 an
die Modelle Chevrolet Silverado und MC Sierra
wahlweise mit dem ISAD-System zu haben sein
werden.
Ansonsten herrscht in der Branche die übliche
Heimlichtuerei in Hinblick auf konkrete
Modell-Angaben. "Wir führen Gespräche mit
allen führenden Herstellern", sagt Norbert
Giesen nur. Etwas genauer geht es dann aber doch
noch: Laut Giesen werden auch auf dem deutschen
Markt 2004 die ersten entsprechend ausgerüsteten
Autos zu haben sein.
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