Kompaktwagen

Zu Hondas erster automobilen Baureihe gehörten neben dem ersten vierrädigen Honda überhaupt, dem T 360, die ersten Sportwagen der S-Serie und ein Kombi sowie ein Pick-up. Beide gelangten 1965 auf den Markt und waren trotz herausragender Technik und zügiger Weiterentwicklung nicht sonderlich erfolgreich, so daß ihre Produktion bereits 1967 eingestellt wurde. Die Sportwagen der S-Serie könnten zwar aufgrund ihrer Abmessungen, nicht aber aufgrund ihres ursprünglichen Preises als Kompaktwagen gelten. Dagegen können der Light Van und der Pickup aufgrund ihrer Abmessungen und des ursprünglichen Preises auch als Kleinwagen eingestuft werden.

Bis zum Erscheinen des Welt-Bestsellers Civic gab es deshalb in der Kompaktwagen-Klasse keinen Honda zu kaufen.

Das Jahr 1972 markiert in der Automobil-Geschichte nicht nur des Herstellers Honda ein besonderes Ereignis, nämlich die Geburtsstunde eines der erfolgreichsten Fahrzeuge der Welt - des Civic. Sein Erfolg ist u. a. darauf zurück zu führen, daß er zumindest in den Augen seiner Käufer ausgereifte Technik mit einem Hauch von technischen Fortschritt (oder Vorsprung?) verbindet. Das dürfte vor allem darin begründet liegen, daß Honda auf der Basis einer jeden Civic-Generation außergewöhnliche Fahrzeuge anbietet, die sich von den automobilen Massen wohltuend abheben und das Potential des Herstellers deutlich werden lassen. 1974 war dies der Civic RS. Außerdem entstand auf der Basis des 3-Türers Hondas Sicherheits-Forschungs-Auto ESV.

Die zweite Civic-Generation brachte Honda nach gründlicher Überarbeitung 1979 auf den Markt. Die Produktpalette wurde erweitert: Neben dem Hatchback mit drei oder fünf Türen und einem Kombi namens Civic Van gab es eine klassisch geformte viertürige Stufenheck-Limousine, die Civic Sedan genannt wurde, und zu der wenigstens dem Namen nach ein eigenständiges Schwester-Modell mit der Bezeichnung Ballade verfügbar war, das sogar etwas eher auf den Markt kam, als der Civic Sedan.

Eine neugestaltete Civic-Generation präsentierte Honda 1983 auf der IAA in Frankfurt. Während beim Wechsel von der ersten zur zweiten Generation des Civics von einer Weiterentwicklung des zugrunde liegenden technischen Konzepts gesprochen werden konnte, kann der Generationswechsel beim Civic im Jahre 1983 eher als Revolution bezeichnet werden. Erneut wurde die Produktpalette verändert und dabei gleichzeitig erweitert und abgespeckt: Ein Hatchback mit drei Türen bildete das Basismodell. Auf verlängertem Radstand gab es einen Kombi, dessen zahlreiche Varianten unter den Namen Civic Pro, Civic Shuttle und Civic Wagon angeboten wurden. Auf der selben Plattform wie der Kombi basierte eine viertürige Stufenheck-Limousine namens Civic Sedan mit ihrem Schwester-Modell Ballade. Neu in diesen Kreis aufgenommen wurde ein reinrassiges Sport-Coupé mit gegenüber dem Hatchback verkürzten Radstand, das unter dem Namen Ballade Sports CR-X in Japan zwar als Mitglied der Ballade-Modellreihe auftrat, auf den Export-Märkten aber Civic [Coupé] CR-X genannt wurde und die erste Generation einer später eigenständigen Modellreihe bildete.

Nach vierjähriger Bauzeit stand im Jahre 1987 beim Erfolgsmodell Civic der Generationswechsel an. Honda bot mit der vierten Generation wieder eine vollständige Produktpalette an. Der dreitürige Hatchback bildete erneut das Basismodell. Der Kombi mit dem Namen Civic Shuttle besaß dieses Mal keinen längeren Radstand. Ebenso wie die viertürige Limousine Civic Sedan. Das Sport-Coupé verlor mit dem Verschwinden der Ballade-Modellreihe vom japanischen Markt seine namentliche Bindung an die Civic-Modellreihe und avancierte zum eigenständigen Modell CR-X.

Dem damaligen vierjährigen Turnus entsprechend lancierte Honda im Jahre 1991 die fünfte Generation seines Erfolgsmodells Civic. Wieder wuchs das Auto gegenüber seinem Vorgänger, so daß immer weniger von einem Kompaktwagen gesprochen werden kann, weil bereits mit der dritten Generation der Hatchback exakt den Radstand der ersten Accord-Generation erreichte und in der vierten Generation sogar über den Radstand der zweiten Accord-Generation hinaus wuchs. Zumindest die in Japan Civic Ferio und anderswo Civic Sedan genannte viertürige Limousine mit noch größeren Radstand als der Hatchback darf mit Fug und Recht als Modell der unteren Mittelklasse bezeichnet werden. Einen neuen Kombi bot Honda nicht an, dafür aber gleich zwei Sportwagen. Speziell für den europäischen Markt erschien 1994 eine fünftürige Limousine, die das Mittelklasse-Modell Concerto ablöste, womit nochmals verdeutlicht wird, daß der Civic inzwischen der Kompaktwagen-Klasse entwachsen war. Dieser Civic 5-Türer kann aufgrund seines Designs auch als erstes Modell der sechsten Civic-Generation betrachtet werden.

Den eigentlichen Anfang mit der sechsten Generation des Civic machten im Jahre 1995 der Hatchback und die viertürige Limousine, die in Japan wieder den Namen Civic Ferio trug. Einige Monate später, zu Beginn des Jahres 1996, folgten ein Sport-Coupé aus nord-amerikanischer Produktion und zwei Kombis für den japanischen Markt. Außerdem erschien damals unter dem Namen Integra SJ ein Schwestermodell zum Civic Ferio, das aber technisch gesehen nichts mit der Integra-Modellreihe gemeinsam hat.

Das Jahr 1996 markiert einen Meilenstein in der Honda Geschichte, denn in diesem Jahr wurde das erste in Thailand entwickelte Fahrzeug vorgestellt. Der City ist eine viertürige Limousine für die typische städtische Familie im asiatisch-pazifischen Raum, die sich ihr erstes Auto kauft. Sie ist am Civic Ferio orientiert, aber etwas kleiner und aufgrund einfacherer Technik erheblich preiswerter. Die verschiedenen Ausstattungs- und Leistungsvarianten waren genau auf die Anforderungen des jeweiligen regionalen Marktes ausgerichtet.

Der Markt-Erfolg von Minivans bewog Honda, 1996 auch in der Kompaktwagen-Klasse ein entsprechendes Modell anzubieten. Ein Creative Mover der vorjährigen Tokyo Motor Show, der S-MX, ging in Serie, obwohl er nur maximal fünf Personen Platz bot und mit vier Klapp-Türen - davon ist eine die Heckklappe (!) - eher untypisch für diesen Fahrzeugtyp ist.

Die asiatische City-Limousine wurde 1999 gründlich überarbeitet und durch leistungsstarke Varianten aufgewertet.

Im Jahre 2000 stand der Generationswechsel beim Civic an. Bemerkenswert: Nicht der 3-türige Hatchback, sondern der 5-Türer wurde in Japan zum Basismodell der siebten Generation. In Europa verhielt es sich genau umgekehrt. Der Civic Hatchback wurde außerhalb Europas nur als Sportversion verkauft. In Asien, Australien und Nordamerika war der Civic Sedan (in Japan wieder Civic Ferio genannt) der Honda, der als Civic bekannt wurde. In Kanada gab es eine Acura EL genannte Version der Limousine. Dafür gab es die Civic Limousine in Europa häufig "nur" mit benzin-elektrischem Hybrid-Antrieb als Civic IMA, der im Jahre 2001 präsentiert wurde. Der erdgasbetriebene Civic GX aus dem Jahre 2001 wurde wiederum nur in Japan und Nordamerika angeboten. Und nur auf einigen ausgewählten Märkten gab es das Civic Coupe aus us-amerikanischer Produktion.

Da der Civic spätestens seit der fünften Generation der Kompaktwagen-Klasse entwachsen war, benötigte Honda eine neue, ausbaufähige Plattform in dieser Klasse. Das wurde im Jahre 2001 der Nachfolger des Logo, der Fit, der im Export (vor allem nach Europa) auch Jazz genannt wurde. Er erschien zunächst als 5-Türer. Aufbauend auf seiner Plattform, allerdings mit erheblich verlängertem Radstand, gelangte noch im Jahre 2001 der Nachfolger des Capa, der Mobilio, auf den Markt - kein echter Minivan, eher eine Großraum-Limousine. Eine viertürige Limousine stellte Honda Thailand im Jahr darauf als Nachfolger des asiatischen City vor. In späteren Jahren wurde dieses Modell auch in Osteuropa angeboten, während in Japan diese Limousine den Namen Fit Aria erhielt. Erst seit dem Jahre 2005 offerierte Honda ein Fahrzeug, das als Kombi zur Fit-Familie angesehen werden kann, den Airwave, dem im Jahre 2006 sogar noch ein kommerzieller ausgerichtetes Schwestermodell namens Partner zur Seite gestellt wurde.

Die achte Generation des Civic von 2005 ist aufgrund der zwischenzeitlich erreichten Größe eigentlich ein Fahrzeug der unteren Mittelklasse. In Japan und Nordamerika avancierte die viertürige Limousine zum Basismodell, von dem es wieder eine Variante mit benzin-elektrischem Hybrid-Antrieb gab. In Nordamerika erhielt der Sedan im gleichen Jahr ein Sportcoupé zur Seite gestellt. In Kanada löste im gleichen Jahr die als Einsteiger-Modell der Nobelmarke Acura ausgestattete Limousine Acura CSX den Acura EL ab. Speziell für den europäischen Markt wurde ein auffällig gestalteter 5-Türer entwickelt, der ab 2006 verkauft wurde. Im Jahre 2007 erweiterte Honda die Civic-Familie um eine Type R-Variante der viertürigen Limousine ausschließlich für den japanischen Markt und in Europa gelangten die beiden dreitürigen-Varianten des 5-Türers Type S und Type R auf den Markt.

Nach einer für Honda unüblich langen Produktionszeit von sechs Jahren erschien im Jahre 2007 zuerst in Japan die zweite Generation des Fit auf dem Markt. Die übrigen Verkaufsgebiete zogen ein Jahr später nach, wobei wie bei der ersten Generation verschiedendlich der Name Jazz Verwendung fand. Mit dem Generationswechsel beim Fit mußte gleichfalls ein Generationswechsel bei seiner übrigen Produkt-Familie erfolgen. Den Anfang machte im Jahre 2008 die Großraum-Limousine, deren Name sich in Freed änderte.